Geplante Ausstellung in Santiago de Chile fällt wegen Erdbebens aus

Nach dem Erdbeben in Chile: Louis von Adelsheim dreht eine Reportage über das Museum für zeitgenössische Kunst MAC / Geplante Ausstellung "Movimientos" verschoben.

Dokumentation und Hilfe statt Videokunst

Von unserem Redaktionsmitglied Sabine Braun

Als Videokünstler Louis von Adelsheim im März nach Santiago de Chile kam, war klar: Aus seiner bereits fest terminierten Ausstellung im Museo de Arte Contemporáneo (MAC) im Herbst würde erst einmal nichts werden. Die Situation in der vom Erdbeben zerstörten Stadt ließ jedoch schnell einen neuen Gedanken entstehen: Der Kameramann, der in den letzten Jahren mit seinem Projekt "Adelsheim leuchtet" überregional Aufmerksamkeit weckte, arbeitet inzwischen an einem Dokumentarfilm über die Schäden am MAC. Damit möchte er eine Hilfsaktion für die Sanierung des Museums in Gang bringen.

Schuttberge im Museum

Vom 23. September bis 21. November sollte Louis von Adelsheims Ausstellung mit dem Titel "Movimientos" im Museum für zeitgenössische Kunst der chilenischen Hauptstadt stattfinden. Bereits im Frühjahr 2009 hatte er die Zusage von MAC-Direktor Francisco Brugnoli. Im November begannen in Chile die Vorarbeiten, im März sollte der Aufbau starten.

"Der Flug war längst gebucht, als am 27. Februar in Chile die Erde bebte. Im Museum war niemand zu erreichen", berichtet Louis von Adelsheim. Vor Ort angekommen, bestätigte sich die Befürchtung, dass auch das "Quinta normal", das Museumsgebäude, in dem seine Ausstellung vorgesehen war, schwer beschädigt war. Die Decken des prachtvollen Baus im Kolonialstil waren teilweise eingestürzt, abgebrochene Stuckelemente und Wandverkleidungen türmten sich im Haus zu Schutthäufen.

Statik beeinträchtigt

Gravierend ist, dass die Statik der Gebäude beeinträchtigt scheint. Für die Museumsleitung besonders bitter: Erst vor fünf Jahren war eine aufwendige, einige Millionen teure Sanierung des Hauptgebäudes "Parque forestal" abgeschlossen worden. Jetzt liegt die Fassade wieder in Trümmern. Das Museum muss geschlossen bleiben.

Angesichts von 1,5 Millionen zerstörten Wohnungen, einer kaputten Infrastruktur und Not an allen Ecken ist mit staatlicher Unterstützung für den Wiederaufbau erst einmal nicht zu rechnen. "Da haben verständlicherweise andere Dinge Priorität. Kultur kommt an zweiter, dritter Stelle", so Louis von Adelsheim.

"Wie kann man helfen? - Das war mein erster Gedanke", erzählt der Videokünstler. Sein spontaner Vorschlag, einen Dokumentarfilm zu drehen und damit eine Hilfsaktion von Sponsoren, Sammlern und Museen zu unterstützen, kam bei Direktor Francisco Brugnoli gut an.

"Zwei Kameras hatten wir dabei, und so fingen wir an zu drehen". Zusammen mit Marc Dörfel, kreativem Mitstreiter und Konstrukteur, führte Louis von Adelsheim Interviews mit der Museumsleitung und dem Vorsitzenden des MAC-Freundeskreises, mit Kunstprofessoren, mit den Künstlerinnen Roser Bru, Claudia Aravena und Valentina Bertelhon sowie mit der in Chile sehr populären Fernsehmoderatorin Carolina Urrejola vom Canal 13. Alle plädierten dafür, das für die zeitgenössische Kunst so wichtige Museum wieder herzurichten.

Zumal die eigentliche Sammlung des MAC unbeschädigt blieb. Denn in den Ausstellungsräumen war gerade eine Sonderausstellung abgebaut worden.

Acht Stunden Material sind inzwischen im "Kasten". Jetzt geht es an den Schnitt und den Kommentar, der in drei Sprachen unterlegt wird. Unterstützung für das Vorhaben kommt auch von der chilenischen Botschaft in Berlin. Mindestens 1,3 Millionen Euro wird die Sanierung kosten.

"Leuchtet" das Bauland?

"Movimientos", die Ausstellung von Louis von Adelsheim, ist durch die Entwicklung nur aufgeschoben - voraussichtlich bis Herbst 2011. "Der Termin hängt jetzt einfach davon ab, wann die Sanierung abgeschlossen ist". Da Chile nun für 2010 "ausfällt", leuchtet vielleicht das Bauland: Der Videokünstler überlegt, im August in Adelsheim ein kleines Ausstellungsprojekt, verbunden mit einer "Nacht der 10 000 Lichter", zu gestalten.

Fränkische Nachrichten
5. Mai 2010